Sagen, Mythen und Legenden... Sie beherbergen die einstige, teilweise heute verborgene Atmosphäre Bulgariens, die auf eine ganz ursprüngliche Weise näher und vertrauter zum Vorschein kommen kann.
Die Wurzeln dieses Volkes sind weit vor der eigentlichen Gründung des bulgarischen Staates zu suchen. Jahrtausende lang befand sich auf seinem Boden das Reich einer der ältesten und kulturreichsten Weltzivilisationen – die thrakische Kultur. Sie blieb in Erinnerung durch die so genannten thrakischen Hügel, durch die prachtvollen Baudenkmäler wie Festungen, Tempel, Kult- und Prophezeistätten, die von einstiger Größe und stürmischer Wechselhaftigkeit gekennzeichnet sind.
Die thrakische Kultur provoziert unsere Neugier noch heute durch die überlieferten Riten und ihre Art der Darstellung durch mythologische Personifizierungen, die den Glauben der Vorahnen an die vier Grundelemente im Kosmos zum Ausdruck gebracht haben: Äther, Erde, Wasser und Feuer, sowie den Glauben an einen Sonnenkult und an die Muttergöttin. In der bulgarischen Folklore sind christianisierte Heidenbräuche wie z.B. Kukeri (Fasching) und Nestinari (Feuertanz) bis zum heutigen Tag lebendig überliefert und erhalten. Man kann sie in ihrer authentischen Version im Strandsha-Gebirge und im Rhodopen-Gebirge erleben.

 

 

Die thrakische Kultur überrascht mit ihrer Größe und lässt uns des Öfteren den Atem anhalten beim Anblick ihrer prächtigen Schätze. Es seien hier nur genannt: Die Schätze von Rogozen, von Panagjuriste und von Vultchi-Trun, die mittlerweile weltbekannt geworden sind.
Der älteste und größte Goldschatz der Welt wurde im Gräberfeld von Varna ausgegraben. Er ist mehr als 5000 Jahre alt. Dieser archäologische Fund datiert vor der Epoche Ägyptens, vor der Zeit der beiden Heiligen Flüsse und vor dem Zeitalter Persiens und Indiens. Er veranlasste die Historiker, ihre Vorstellungen über die Entwicklung der menschlichen Zivilisation neu zu überdenken.
Die Wandmalereien in den Grabstätten von Kazanluk, Svestari und Alexandrovo gehören ebenfalls zu den Meisterwerken von Überlieferungen vergangener Kulturen. Die Ausgrabungen der thrakischen Kultsstätte mit über 250 Hügeln im architektonisch-historischen Naturschutzpark Sborjanovo gelten als Weltsensation. 150 dieser Hügel sind genau 1900 m voneinander entfernt und dadurch so angeordnet, dass die einzelnen Gruppen eine genaue Auflichtprojektion zu 44 verschiedenen Gestirnen bilden. Sie zeugen von Kenntnissen, die den Errungenschaften der modernen Astronomie schon vor Jahrtausenden vorgegriffen haben.

Ein anderer Beweis für die enormen künstlerischen und technischen Errungenschaften der Thraker ist die thrakische Kultsstätte in der Nähe von Starosel – ein heiliger Tempel und eine grandiose Königsresidenz aus der Blütezeit des Odrissen-Reiches. Last, but not least: Perperikon, die heilige Stadt der Thraker in den Rhodopen. Herodotes nannte es das Heilige Gebirge und behauptete, hier befinde sich die im Altertum berühmte heilige Prophezeistätte von Dyonis, welche die Bedeutung der Tempelstätte von Apolon in Delphi erlangt hat. Eine riesengroße thrakische Felsstadt, eine Tempel- und Prophezeistätte, eine uralte Festung, ein byzantinisches Erzbistum und ein heiliges Territorium... Perperikon vereinigt all dies in einem.

Nach Herodotes hatten die Thraker die größte Bevölkerung nach den Indern. Sie gaben dem klassischen Altertum die Götter Dionys, Hefest. Artemide, Kibela...
Orpheus und Spartakus waren Thraker und Thraker haben am trojanischen Krieg teilgenommen.

Das älteste Schrifttum der Welt (vor ca. 6800 Jahren) ist in Bulgarien in der Nähe der Stadt Montana entdeckt worden. Der altbulgarische Kalender, der als der genaueste Kalender von allen Fachleuten auf diesem Gebiet weltweit anerkannt ist und die siebenstrahlige Rosette von Pliska, die die sieben im Altertum bekannten Planeten symbolisiert, zeugen von den eingehenden astronomischen Kenntnissen der Altbulgaren. Das „Namensbuch der bulgarischen Khane“ weist auf das Gründungsdatum des bulgarischen Staates hin, welches 515 Jahre vor dem offiziell anerkannten Datum liegt. Diese Tatsache erfordert eine neue Auslegung der Symbolik des Felsreliefs bei Madara, dem einzigen Monument in Europa von dieser Größe und Bedeutung.


 

Die Klöster sind der größte Reichtum Bulgariens. Auf dem Territorium des Landes gibt es ca. 160 bewohnte und unbewohnte Klöster. Sie beherbergen einzigartige Wandmalereien, holzgeschnitzte Altare, wertvolle Abschriften der Evangelien und wundertätige Ikonen. Die frühesten davon datieren aus dem 4.- 6. Jahrhundert, zu dem Zeitpunkt als die ersten Felsenklöster entstanden sind: Das Aladsha Kloster, die Felsklöster bei Ivanovo, die zahlreichen Felsnischen auf dem Schumen Plateau und Polomieto. Sie dienten als Obdach für Einsiedlermönche, die Nachfolger der griechisch-orthodoxen Lehre von der göttlichen Energie – den Isichasmus.
Viele der bulgarischen Klöster hatten ein tragisches Schicksal. Sie wurden ständig ausgeplündert, zerstört und verbrannt. Dann wurden sie wieder aufgebaut und verwandelten sich erneut in eine Quelle von Geistlichkeit und Glauben. Heutzutage sind die meisten von ihnen ein Anziehungspunkt für orthodoxe Christen, sowie auch für alle Kenner der Ikonenmalerei, Holzschnitzerei und Wandmalerei. Fast alle Klöster befinden sich inmitten einer schönen, ursprünglichen und zum Teil unzugänglichen Natur. Viele von ihnen sind auf Ruinen alter, heiliger Stätten errichtet worden, die noch heute die heilige Atmosphäre einer tausendjährigen Geschichte bergen. Jedes von ihnen besitzt eine sagenumwobene Geschichte, die in geheimnisvolle Traditionen gehüllt ist – deren Beginn weit zurückliegt – deren Wurzeln in vergangenen Epochen zu finden sind.

 

 

Die Klöster in Batchkovo, Roshen, Preobrashen und Troyan zeichnen sich durch ihre wunderschöne Architektur, Wandmalerei, Holzschnitzerei und ihre zahlreichen Ikonen aus. Das Rila-Kloster, dessen majestätisches architektonisches Ensemble das meisterhafte Können vieler Künstler aus der Zeit der Renaissance zum Ausdruck bringt, die Kirche von Bojana, die Felsklöster beim Dorf Ivanovo und die Kirchen in Nessebar stehen in der UNESCO - Liste unter den Objekten mit kultureller Weltbedeutung.


 

Nennenswert sind auch die Ruinen der drei bulgarischen Hauptstädte – Pliska, Veliki Preslav und Veliko Tirnovo.
Pliska war die größte mittelalterliche Stadt, die eine Fläche von 24 qkm eingenommen hat. Hier befand sich das Khan Chrum's - das imposanteste Schloss in der Welt. Die monumentalen Thronpaläste und Schlösser besaßen bereits eine Kanalisation und Wasserleitungen sowie Heizanlagen. Das bemerkenswerteste Baudenkmal aus jener Epoche ist die Große Basilika, die mit ihren stolzen 2920 qm die größte christliche Kirche auf der Balkanhalbinsel war. Hier wurden die Bulgaren zum Christentum bekehrt, hier wurden die Nachfolger der Gebrüder Kyrill und Method, die Schöpfer des slawischen Schrifttums, aufgenommen. Große Begeisterung und Erstaunen erweckte die runde Kirche in Preslav aus dem Goldenen Zeitalter, der Blütezeit des bulgarischen Staates. Damals stellte Bulgarien eine Weltmacht dar, die alle europäische Herrscher, barbarische Stämme und auch Byzanz anerkannt hatten.

Über zwanzig Ortschaften in Bulgarien stellen architektonisch-historische Schutzgebiete dar. Die Altstadt von Plovdiv, Koprivstiza, Etara, Boshenzi, Trjavna, Sheravna, Melnik, Sozopel gehören zum Beispiel dazu. Der mittelalterliche Geist wohnt noch immer in den gemütlichen altbulgarischen Häusern, den kopfsteingepflasterten Gässchen, hölzernen Altanen und bunten Teppichen - in der Kaminwärme, der Ruhe und Geborgenheit - immer dort, wo der Mensch zu seinen Wurzeln zurückkehrt.

 

 

Dies war nur ein flüchtiger Blick auf die Einmaligkeit und Eigenständigkeit Bulgariens - auf seine authentische und ungekünstelte Schönheit, in der sich vergangene Mythen und moderne Realität vereinigen – dort, wo jede Ecke über Legenden sichtbarer und unsichtbarer Geheimnisse flüstert.

 

Erleben Sie mit uns eine Reise in die Vergangenheit – eine nie enden wollende Reise auf dem Weg zu unseren Wurzeln – auf der Suche zu unserem wahren Selbst.